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Von Bernd Epple

Groove, der den ganzen Körper in Beschlag nimmt

Blaues Haus bietet "heiße Ware" an: Hot Stuff Band glänzt, ohne jemals in dieser Formation zusammen musiziert zu haben

 

BÖBLINGEN. Die Hot Stuff Band mit Frontmann und Sänger Vincent Lewis sorgte am Freitagabend für mächtig Dampf im "Wohnzimmer" des Kulturnetzwerkes Blaues Haus. Dieses war zwar nicht brechend voll, dafür gab es ausreichend Gelegenheit, das Tanzbein zu schwingen

Hot Stuff war angesagt, also heiße Ware; besser kann das auch kaum umschrieben werden, was die sechsköpfige Band den Besuchern injizierte. Die Grooves erreichten nicht nur die Ohren, sondern nahmen den ganzen Körper in Beschlag. Kaum waren die ersten Takte gespielt, wurde der Raum zum Tanzsaal. Wie schon eine Woche zuvor bei der hervorragenden Shakin' Daddes Band im Sindelfinger Pavillon war auch hier eine Cover-Band am Werk, die äußerst professionell zu Werke ging. War es in Sindelfingen vornehmlich der Beat der 60er und 70er, wurde hier Jazz-Rock, Funk und Soul vom Feinsten dargeboten. Titel wie "Superstition", "Unchain My Heart", "Mother Was a Rolling Stone" oder "Boogie Down" lösten "Aah"-Effekte aus und die Beine tanzten nahezu von alleine. Aber auch fürs Herz gab es Nummern wie "Just the Two Of Us", "Summer Breeze" oder "Ain't No Sunshine".

Der gute Mix machte es schließlich - und der kommt nicht von ungefähr. Bandleader und Drummer Gerhard (Gary) Bandel ist der Strippenzieher im Hintergrund. Mit fast 30 Jahren Erfahrung als Profimusiker weiß er, worauf es bei einer guten Performance ankommt. Klangvolle Namen wie Albert Mangelsdorff, Volker Kriegel, Klaus Graf und Patricia Kelly - um nur ein paar wenige zu erwähnen - pflasterten seinen Weg.

Der studierte Schlagzeuger verfügt über einen Pool von rund 30 Musikern, aus dem er schöpfen kann. Je nach Bedarf des Veranstalters fischt er sich die passenden Leute heraus. Musikalisch könne er fast alles anbieten, "außer Schlager und Heavy Metal", sagt er. Bei einem Benefizkonzert in Stuttgart traf er Vincent Lewis, der großes Interesse an einer Zusammenarbeit zeigte. Fürs Blaue Haus holte Gary schließlich noch die drei aus Ungarn stammenden Musiker Péter Papesch (Bass), dessen Bruder Lazlo (Saxophon) und Gitarrist Krisz Weinzierl sowie Keyboarder Michael Friedinger ins Boot. Allesamt sind Cracks ihres Faches und standen in Böblingen erst zum zweiten Mal zusammen auf der Bühne.

Dass eine zusammengewürfelte Formation ohne Proben mit solcher Klasse glänzen kann, wird dem Laien wohl immer ein Rätsel bleiben. Selbst wenn Gary Bandel eine Erklärung parat hat: "Wir bereiten uns zu Hause mit MP3-Player vor, dann muss es jeder drauf haben. Wir spielen sozusagen ohne Netz und doppelten Boden."

Dieser Umstand ist jedoch auch das Salz in der Suppe, denn es lässt trotz ausgefuchster Arrangements die Freiheit, Neues und Ungeplantes entstehen zu lassen. "Mother Was a Rolling Stone" war ein solches Beispiel. In einem zur Impro freigelassenen Teil neckten sich die Akteure gegenseitig mit Licks, die in eine Unterhaltung mittels Klangphrasen führte. Das bereitete den Herren mit Schalk im Nacken sichtlich Freude. Und damit auch dem Publikum, das seinerseits für eine Riesenstimmung sorgte. "Das hat Spaß gemacht", strahlte Sänger Lewis.

Vincent Lewis mit viel Musikalität und Einfühlungsvermögen

Der kam auch dem Wunsch einer Dame nach, die ihn in der Pause bat, "Love's Divine" von Seal zu singen. A cappella eröffnete er damit die zweite Runde des Abends. Der US-Amerikaner, der nach seinem Militärdienst in den 70ern in Deutschland geblieben ist, zeigte dabei, mit wieviel Musikalität und Einfühlungsvermögen er ausgestattet ist. Die zu Tränen gerührte Frau konnte nicht anders, als ihn nach dem Stück einfach zu umarmen.

Die facettenreiche Stimme von Lewis und die Leichtigkeit, mit der er sie in die Musik einwob, nährte auch an diesem Abend Bandels Konzept: "Einer oder auch zwei überragenden Stimmen soll eine Band aus einem Guss zur Seite gestellt werden." Musikalität und Professionalität auf höchstem Niveau - damit wurden auch die Böblinger Gäste erreicht. Neben solistischen Höhenflügen, die alle Mitglieder der Formation zu bieten hatten, schnürten messerscharfe Riffs und Unisono-Passagen das Gesamtpaket.

"Nicht nur für öffentliche Veranstaltungen ist das was", betonte Bandel im Gespräch mit der Kreiszeitung. "Wir bieten unsere Musik auch für Firmen-Events oder private Feiern an". Nach den Eindrücken im Blauen Haus ist ein solches Engagement nur zu empfehlen.

 

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© Vincent Lewis Music Photographer: Ferenc Piller Photographer: Mario Gastinger & Esther Mertesdorf